Was soll ich auf der Gitarre als nächstes lernen? Der Fahrplan zum Erfolg!

Jeder von uns kennt das: Du hast ein Stück auf der Gitarre bewältigt, eine neue Technik gemeistert und deine Fähigkeiten ein Stück weiter vervollständigt. Doch dann kommt der Moment der Stille: Was kommt jetzt? Welcher Song ist der richtige? Welche Technik bringt mich weiter? Und wie komme ich ohne Lehrer an das passende Material, ohne mich zu überfordern?

In diesem Artikel zeige ich dir, wie ich heute mit meinen Schülern – aber auch als aktiver Musiker für mich selbst – die perfekte Wahl für den nächsten Schritt treffe.

Der Song als Vehikel: Technik allein reicht nicht

Früher habe ich oft ein bis zwei Stunden am Tag reine Technik geübt. Erst danach bin ich zu den eigentlichen Songs gekommen. Das Problem? Meine Konzentration und Lernwilligkeit waren meist schon aufgebraucht, bevor ich beim eigentlichen Musizieren ankam.

Wir spielen aber keine abstrakten Konzepte oder Tonleitern – wir spielen Songs!

Deshalb betrachte ich den Song als Vehikel für alles Weitere. Ein Song liefert uns Harmonien, Rhythmus, spezielle Sounds und Techniken. Wir können Licks aus ihm extrahieren, ihn in kleine Baustellen zerlegen und diese Elemente aktiv in unser eigenes Spiel integrieren.

Das magische Dreieck: Der Weg zum neuen Stück

Um den Überblick zu behalten, nutze ich das „Magische Dreieck der Songauswahl“.

Was lerne ich auf der Gitarre als nächstes?


1. Ein Song, der dich begeistert

Wähle Stücke, die du selbst gerne hörst. Egal ob klassische Etüde, Jazz-Standard oder Metal-Solo – durchforste deine Playlist oder das Radio. Erstelle eine Liste mit Favoriten. Wenn du z. B. Schlagtechniken lernen willst, suche nach Singer-Songwriter-Duos. Wenn du in den Neoclassical Metal eintauchen willst, hör dich durch Alben von Yngwie Malmsteen.

2. Den Schwierigkeitsgrad richtig einschätzen

Das ist oft der schwierigste Punkt. Wenn du unsicher bist, nimm im Zweifel das leichteste Stück deiner Liste.

Profi-Tipp: Schau dir auf YouTube ein „Playthrough“ des Songs an. Stelle die Geschwindigkeit auf 70 %. Beobachte genau: Kenne ich diese Griffe? Was macht die Schlaghand? Wenn dir die Bewegungen völlig fremd vorkommen, ist der Song vielleicht noch eine Nummer zu groß.

3. Die Technik-Fokussierung

Überlege dir vorher: Welche Technik steckt in dem Song? Möchtest du „Sweeping“ lernen? Dann such dir einen Song, in dem diese Technik das Herzstück ist. So verknüpfst du dein Ziel direkt mit der musikalischen Praxis.



Hürden überwinden: Material und Umsetzung

Ohne Lehrer vor Ort stößt man oft auf drei große Probleme:

Challenge 1: Woher bekomme ich die Noten?

Das Internet ist voll von Material, aber die Qualität schwankt.

  • YouTube & Patreon: Viele Künstler bieten hochwertige Tabs auf Patreon an. Für ein paar Euro bekommst du Original-Material und unterstützt den Musiker. Du musst die Pateron Präsenz nicht ewig unterstützen. Nach ein paar Wochen, kannst du wieder kündigen 🙂
  • Software & Portale: Guitar Pro Tabs oder Ultimate Guitar sind gute Anlaufstellen, aber Vorsicht vor fehlerhaften User-Versionen.
Challenge 2: Ich kann die Tabs nicht lesen oder umsetzen

Selbst wenn die Noten schwarz auf weiß vor dir liegen, ist die Ausführung oft unklar.

Der Video-Trick: Suche nach Live-Versionen deines Lieblingsgitarristen. Verlangsame das Video und schaue genau auf die Finger. Was macht die rechte Hand? Wie ist der Winkel der linken Hand? Kombiniere das Gesehene mit den Tabs.

Challenge 3: Das Stück ist viel zu schnell

Nutze Software, um den Song zu verlangsamen. Die YouTube-Funktion ist okay, aber mühsam beim Wiederholen einzelner Stellen.

Empfehlung: Lade den Song (z. B. mit einem Downloader) herunter und nutze Programme wie Audacity (kostenlos) oder AnyTune (sehr nützlich für Mac/iOS). So kannst du jede Passage in deinem Tempo verinnerlichen, bevor du sie spielst.


Die Strategie: Den Song „zerlegen“

Wenn das Material bereitliegt, machen viele Schüler den gleichen Fehler: Sie versuchen, das ganze Stück (oder lange Sektionen) von vorne bis hinten durchzuspielen. Bleiben sie hängen, fangen sie wieder von vorne an. Das ist ineffizient.

Meine Methode: Die Zwei-Takt-Regel

  1. Lerne nur zwei Takte am Stück.
  2. Verstehe genau, was beide Hände tun.
  3. Spiele sie extrem langsam, bis sie sitzen.
  4. Ganz wichtig: Lerne diese zwei Takte auswendig! Solange du am Blatt klebst, behindert das deinen Spielfluss.

Betrachte den Song wie ein Puzzle. Isoliere einen schweren Akkord oder ein schnelles Lick und nutze es als separates Warm-up in deinem täglichen Übeplan. So wird das Stück Teil deines musikalischen Wortschatzes.



Fazit: Der Weg ist das Ziel

Ein Song darf ruhig mehrere Wochen Zeit in Anspruch nehmen. Das Ziel ist nicht, möglichst viele Songs oberflächlich zu „können“, sondern durch den Song professioneller zu werden.

Solltest du trotz dieser Tipps nicht weiterkommen, unterstütze ich dich gerne im Unterricht. Ich bereite das Material für dich vor, strukturiere die Lernschritte und helfe dir über die technischen Hürden hinweg. Ich lerne dabei selbst oft neue Bands und Komponisten durch meine Schüler kennen – ein Gewinn für uns beide!

Alles Liebe und keep on rockin‘
Sascha

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