Gitarrenunterricht im Alltag: Ein Plädoyer für Fairplay und gemeinsame Verbindlichkeit

1. Einführung: Der gute Wille und die Realität

Jeder von uns kennt diese Situation: Die Vorfreude auf die Gitarrenstunde ist groß, das neue Lick liegt schon auf dem Notenständer. Doch dann schlägt das Leben zu – ein beruflicher Termin verschiebt sich, die Familie braucht Aufmerksamkeit, der Alltag fordert seinen Tribut. Die 48-Stunden-Regel bietet hier eine offizielle Absicherung, und natürlich ist es vollkommen legitim, sie zu nutzen.

Als Lehrer habe ich für diese alltäglichen Wechselfälle großes Verständnis. Wir alle stecken in einer stressigen Zeit. Dennoch möchte ich heute einen Blick hinter die Kulissen der „Saitenartisten“ werfen und meine Perspektive als selbstständiger Musiklehrer mit euch teilen.


2. Der Blick hinter den Vorhang: Was passiert, wenn eine Stunde ausfällt?

Unterrichtet man 15–20 Stunden in der Woche, wirkt das auf den ersten Blick wie ein überschaubares Pensum. Doch als Selbstständiger ist der Unterricht nur ein Teil der Arbeit: Buchhaltung, Akquise, Unterrichtsvorbereitung und eben dieser Blog-Beitrag kommen hinzu. Besonders die Fixkosten wie die Raummiete laufen jeden Monat stur weiter – unabhängig davon, wie viele Schüler tatsächlich vor mir sitzen.

Besonders in den Ferienmonaten schwankt die Auslastung oft stark. Das bedeutet: Die Monate mit hoher Auslastung müssen das ganze Jahr finanzieren. Wenn nun in einer Woche mehrere Schüler – auch innerhalb der 48-Stunden-Frist – absagen, entstehen Lücken, die ich kurzfristig nicht mehr füllen kann. Für mich bedeutet das einen direkten Verdienstausfall.

Bildbeschreibung: Sascha, dein Gitarrenlehrer, sitzt hier nur herum bis nach der Lücke der nächste Schüler kommt 🙂


3. Warum ich dennoch an der Flexibilität festhalte

Viele Musikschulen lösen das Problem durch starre Semesterverträge. Das ist wirtschaftlich sicher, aber es passt oft nicht zur Lebensrealität meiner Schülerinnen und Schüler. Ich schätze die individuelle Flexibilität, die wir gemeinsam haben, weil sie es ermöglicht, den Unterricht überhaupt erst in einen vollen Alltag zu integrieren. Nur so ist konsequenter Fortschritt möglich. Deshalb möchte ich dieses Modell beibehalten – aber es funktioniert nur, wenn wir das „Fairplay-Prinzip“ leben.

4. Die Lösung: Gemeinsam statt Absagen

Damit unser Unterricht auch in stressigen Phasen für beide Seiten wertvoll bleibt, möchte ich den Fokus von „Absage“ auf „Alternative“ verschieben. Mein Ziel ist, dass ihr am Ball bleibt, auch wenn die Zeit mal knapp ist. Wenn es eng wird, probiert doch mal diese Optionen:

  • Das Lehrvideo: Wenn es zeitlich absolut nicht passt, erstelle ich dir ein 3–5-minütiges Video mit neuen Inhalten oder Tipps. So verlierst du nicht den Anschluss und kannst flexibel üben.
  • Die Support-Stunde: Du hattest keine Zeit zum Üben? Kein Problem! Wir wandeln die Stunde um: Wir klären Fragen, die du schon immer hattest, wiederholen alten Stoff oder üben gemeinsam. Das nimmt den Druck raus, ohne dass die Zeit verloren geht.
  • Die Metaperspektive: Nutzen wir die Stunde, um deine Ziele anzupassen. Wir schauen uns deinen Übeplan an und passen ihn an deine aktuelle Lebensphase an, damit du frustfrei dranbleiben kannst.

Fazit

Mein Wunsch ist es, dass Gitarre spielen ein Anker in eurem stressigen Alltag bleibt – kein zusätzlicher Stressfaktor. Wenn wir die Stunden als gemeinsame Zeit begreifen, die wir anpassen können, statt sie ersatzlos zu streichen, gewinnen wir beide: Ihr macht Fortschritte, und ich kann meinen Unterricht so flexibel und nachhaltig gestalten, wie ihr es schätzt.

Danke, dass ihr Teil der musikalischen Reise seid!

 

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