„60 Euro für eine Gitarrenstunde? Ist das nicht ziemlich viel?“
Vor Kurzem sprach ich mit einer guten Freundin über passenden Gitarrenunterricht für ihren Sohn. Wir unterhielten uns über verschiedene Lehrer und Unterrichtskonzepte in Wien. Als ich erwähnte, dass professioneller Privatunterricht heute häufig rund 60 Euro pro Unterrichtseinheit kostet, schaute sie mich überrascht an. „Aber Sascha – wer kann sich das denn heute noch leisten?“
Eine berechtigte Frage. Sie hat mich jedoch zum Nachdenken gebracht. Denn eigentlich geht es dabei um etwas viel Grundsätzlicheres:
Wofür investieren wir unser Geld?
In den nächsten Urlaub? Neue Möbel? Das Smartphone? Oder auch in Bildung, Kreativität und persönliche Entwicklung – für unsere Kinder oder für uns selbst?
Der wahre Wert des Musikmachens
Ich bin überzeugt, dass Musik gerade heute wichtiger ist denn je. Wir leben in einer Zeit voller Bildschirme, permanenter Erreichbarkeit und unzähliger Informationen. Ein Instrument schafft einen Gegenpol: Es fordert Konzentration, schenkt Ruhe und lässt uns ganz im Moment sein. Wer Gitarre lernt, entwickelt dabei nicht nur musikalische Fähigkeiten. Ganz nebenbei wachsen auch:
- Konzentration
- Ausdauer
- Disziplin
- Feinmotorik
- Rhythmusgefühl
- Kreativität
- Selbstvertrauen
Vor allem aber entsteht etwas, das sich kaum messen lässt:
Freude am eigenen Fortschritt.
Wenn ich meine Schülerinnen und Schüler beobachte – egal ob Anfänger oder erfahrene Musiker –, sehe ich immer wieder, wie erfüllend Musik sein kann. Dabei geht es gar nicht darum, perfekt zu spielen. Es geht darum, Musik zu erleben. Genau diese Begeisterung möchte ich in meinem Unterricht weitergeben.
Musikunterricht ist wertvoll für Menschen JEDEN Alters
Öffentliche Musikschulen leisten einen enorm wichtigen Beitrag zur musikalischen Bildung. Dafür bin ich sehr dankbar. Ihr Schwerpunkt liegt verständlicherweise auf Kindern und Jugendlichen. Doch viele Erwachsene entdecken ihre Liebe zur Musik erst später oder möchten nach vielen Jahren wieder einsteigen. Für sie bietet privater Unterricht häufig genau den passenden Rahmen:
- ohne Leistungsdruck
- mit individueller Geschwindigkeit
- abgestimmt auf persönliche Ziele
- flexibel in der Terminplanung
Gerade neben einem anspruchsvollen Beruf kann Musik ein wunderbarer Ausgleich sein. Aber auch Kinder und Jugendliche finden im privaten Rahmen oft die Möglichkeit fernab von Leistungseinstufungen, (teils nicht gewünschten) Vorspielen und mit zeitlicher Flexibilität den passenden Musikunterricht wahrnehmen zu können.
Was steckt eigentlich hinter einer Unterrichtseinheit?
Viele Menschen sehen lediglich die 50 oder 60 Minuten, die Lehrer und Schüler gemeinsam verbringen. Tatsächlich beginnt die Arbeit schon lange vorher und endet nicht mit dem letzten Akkord. Zu jeder Unterrichtseinheit gehören beispielsweise:
- individuelle Unterrichtsvorbereitung
- Erstellen von Übungen und Lead Sheets
- Nachbereitung
- Betreuung bei Fragen zwischen den Stunden
- Pflege der Instrumente
- regelmäßige Weiterbildung
- Buchhaltung und Terminverwaltung
- Website und Marketing
Dazu kommen selbstverständlich die Kosten für Unterrichtsraum, Betriebskosten, Versicherungen und Unterrichtsmaterial.
Der Preis einer Unterrichtseinheit finanziert also weit mehr als die eigentliche Unterrichtszeit.
Selbstständig heißt auch: Unternehmer sein
Als selbstständiger Musiklehrer trägt man das komplette wirtschaftliche Risiko selbst. Das bedeutet unter anderem:
- kein bezahlter Urlaub (also 10 statt 14 Jahresgehälter), ebenso kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
- kein klassischer bezahlter Krankenstand
- Einkommensausfälle durch Feiertage oder Ferien
- laufende Investitionen in Instrumente und Unterrichtsmaterial
Von den Einnahmen müssen außerdem Betriebskosten, Sozialversicherung, Einkommensteuer und Rücklagen für die Zukunft bezahlt werden. Deshalb unterscheidet sich der Umsatz deutlich von dem Betrag, der am Ende tatsächlich zum Leben bleibt. Musikunterricht macht niemanden reich. Er kann aber – bei fairen Honoraren und guter Organisation – eine solide und erfüllende berufliche Existenz ermöglichen.
Warum faire Preise wichtig sind
Ich spiele inzwischen seit über 33 Jahren Gitarre und unterrichte seit vielen Jahren Menschen unterschiedlichsten Alters und Könnens. In dieser Zeit habe ich unzählige Stunden in meine Ausbildung, das Selbststudium und die Methodik gesteckt. Professionelle, faire Preise sind kein Luxus, sondern das Fundament für erstklassigen Unterricht. Sie ermöglichen es uns Lehrenden, uns wirklich individuell auf jeden einzelnen Schüler vorzubereiten, langfristig zu planen und die bestmögliche Qualität anzubieten.
Wer einen tieferen Einblick in diese Thematik sucht, kann sich die Fair Pay-Initiative des mica (music information center austria) ansehen. Die dort erarbeiteten Richtlinien für faire Honorare im Musik- und Unterrichtsbereich bieten einen hervorragenden Orientierungsrahmen für Preise und Honorare in der gesamten Musikbranche.
Ein fairer Preis ermöglicht nicht nur hochwertigen Unterricht, sondern sorgt auch dafür, dass engagierte Musiklehrer ihren Beruf langfristig mit Leidenschaft und Professionalität ausüben können.
Ich hoffe, ich konnte dir einen spannenden Einblick in die Welt hinter den Kulissen geben. Ich freue mich auf dein Feedback – und natürlich am meisten darauf, dich bald bei mir in einer Stunde begrüßen zu dürfen!
Rockige Grüße und alles Liebe,
Sascha